WGB-Stel­lung­nah­me zum Ent­wurf des Haus­hal­tes 2026 der Stadt Marienmünster

WGB-Stel­lung­nah­me zum Ent­wurf des Haus­hal­tes 2026 der Stadt Marienmünster

Es gilt das gespro­che­ne Wort.

Sehr geehr­ter Herr Bür­ger­meis­ter, sehr geehr­te Damen und Herren

Heu­te habe ich die Ehre mei­ne 46. Haus­halts­stel­lung­nah­me hier im Rat der Stadt Mari­en­müns­ter abge­ben zu dür­fen. Zurück­bli­ckend habe ich eigent­lich im Vor­feld einer jeden Stel­lung­nah­me gedacht:

„Schwie­ri­ger kann es ja nun eigent­lich nicht mehr wer­den!“ Weit gefehlt! Im Lau­fe der Jahr­zehn­te änder­ten sich zwar die Namen der Käm­me­rer und der Bür­ger­meis­ter, doch das Kla­ge­lied zu Beginn einer Haus­halts­ein­brin­gung soll­te immer der glei­che Refrain blei­ben: Der Weg zur Vor­la­ge eines aus­ge­gli­che­nen Haus­hal­tes wur­de immer dor­ni­ger. Egal, wel­che Par­tei gera­de an der Spit­ze der Bun­des- oder Lan­des­re­gie­rung stand:

Die Finanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen blieb immer unzu­rei­chend. Aber auch das gehört zur Wahr­heit: Sel­ten schlug sich mal land­auf land­ab eine Kom­mu­ne an die eige­ne Brust ob gemach­ter Feh­ler oder Versäumnisse.

Fast bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit habe ich eine inten­si­ve städ­te­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit gefor­dert — über­wie­gend mit gerin­gem Erfolg.

Ob finanz­spa­ren­de Zusam­men­ar­beit gemein­sa­mer Schul­trä­ger­schaft zwi­schen Nie­heim und Mari­en­müns­ter — einst von Herrn Jung favo­ri­siert — zwecks Fort­be­stand einer wei­ter­füh­ren­den Schu­le — von wem auch immer: Im Keim erstickt!

Ange­sichts eines all­jähr­lich wie­der­keh­ren­den Defi­zi­tes von inzwi­schen mehr als 300.000 Euro schreit es aktu­ell nach ernst­haf­ten Über­le­gun­gen zur sai­so­na­len Zusam­men­ar­beit der Hal­len­bä­der in Nie­heim und Mari­en­müns­ter. Aber etwas abge­ben schmerzt offen­sicht­lich noch mehr als eine Lawi­ne wach­sen­der Schul­den in den Kom­mu­nen. Der Neu­bau des Hal­len­ba­des in Höx­ter wäre ein wei­te­res Bei­spiel gar nicht erst erwo­ge­ner Zusam­men­ar­beit unter Nachbarstädten.

Doch wer­fen wir lie­ber einen Blick auf unse­re eige­ne Haus­halts­si­tua­ti­on: Die posi­ti­ve Nach­richt zuerst: Weder Steu­ern oder Gebüh­ren wer­den erhöht! Der Bür­ger­meis­ter spricht uns aus dem Her­zen, wenn er betont: „Es wäre ein fal­sches Signal die offen­sicht­li­chen Struk­tur­pro­ble­me auf dem Rücken der Bür­ger auszutragen!“

Es wird einem ohne­hin schon angst und ban­ge, wenn man sieht, wel­che Aus­ga­ben­la­wi­ne z.B. auf Bür­ger in Bre­den­born zuzu­rol­len droht durch den geplan­ten Stra­ßen­aus­bau der Stra­ßen Stef­fens­kamp und Stein­brei­te: Unglaub­li­che 735.000 Euro bei einer Umla­ge­quo­te von 90% ! Ob der Rat irgend­ei­nen Aus­weg in sei­ner ohne­hin beschrän­ken „Macht“ fin­den kann, wird geprüft wer­den — Aus­gang sehr offen!

Ohne­hin engen „die immer schwie­ri­ger wer­den­den Rah­men­be­din­gun­gen den Hand­lungs­spiel­raum des Rates immer mehr ein. Neben der immer noch lah­men­den Kon­junk­tur dro­hen noch unge­lös­te Fra­gen rund um Isek unse­re ohne­hin zuneh­mend schwie­ri­ge­re Finanz­si­tua­ti­on wei­ter zu belasten.

Die­ser Ist-Zustand kommt nicht aus hei­te­rem Him­mel, hat­te die WGB-Frak­ti­on mit Antrag vom 29.08.2024 bereits kom­men sehen. Eine Behand­lung des Antra­ges aber hat­te Bür­ger­meis­ter Suer­mann als Vor­sit­zen­der des Rates sei­ner­zeit strikt unter­sagt! Mehr dazu hier heu­te nicht, um die Chan­ce nicht zu zer­re­den, dass wir im Mit­ein­an­der mit unse­rem Bür­ger­meis­ter und in enger Abstim­mung mit der Bezirks­re­gie­rung hier noch eine nach­hal­ti­ge Lösung finden.

Im Ver­gleich zu den ande­ren 9 Städ­ten im Kreis HX steht Mari­en­müns­ter mit einem Schul­den­stand von 840 Euro pro Ein­woh­ner noch rela­tiv gut dar. Den­noch dür­fen wir uns nichts vor­ma­chen: Auch unser Haus­halt weist ein Defi­zit von 1,7 Mio. Euro aus, dar­in ver­steckt ist der „glo­ba­le Min­der­auf­wand“ in Höhe von 347.300 Euro. Da geht die schön­fär­ben­de Infor­ma­ti­ons­tak­tik des Lan­des dem Bür­ger gegen­über doch schon los: Statt finan­zi­ell end­lich regeln­de Wei­chen zu stel­len, hat das Land sich nur eine „sprach­li­che Mogel­pa­ckung“ ein­fal­len las­sen, die nicht einen Cent mehr in unse­re Haus­halts­kas­sen spült, son­dern nur dem Bür­ger den Blick auf die Dra­ma­tik der unge­brems­ten Ver­schlech­te­rung der Finanz­si­tua­ti­on der Kom­mu­nen ver­schlei­ert. Die sprach­li­che Schöp­fung umschreibt ledig­lich die Aus­sa­ge: Das Minus von 1,7 Mio. ist in Wahr­heit noch grö­ßer. Der Haus­halts­aus­gleich gelingt also nur, wie Kai Schött­ler es scho­nungs­los for­mu­liert“ mit buch­hal­te­ri­schen Taschen­spie­ler­tricks“. Noch dras­ti­scher umschreibt Bür­ger­meis­ter Hof­na­gel von Wil­le­ba­dessen die vom Land erson­ne­ne Schön­fär­be­rei: „Wenn ich als lang­jäh­ri­ger Geschäfts­füh­rer eines grö­ße­ren Unter­neh­mens so gehan­delt hät­te, hät­te ich längst vor Gericht gestan­den!“ (Zitat WB 30.01.26)

Nun also stellt sich für jedes sei­nem Amts­eid ver­pflich­te­ten Rats­mit­glied die Fra­ge: Wie gehe ich um mit einem Haus­halts­ent­wurf, der ohne die trick­rei­chen Schlupf­lö­cher des Lan­des legal hät­te gar nicht auf­ge­stellt wer­den können?

„Ableh­nen“ hieß es in die­sen Tagen in den sozia­len Medi­en in Anleh­nung eines Pres­se­kom­men­tars aus 2025. Zustim­mung unter­stellt jedem anders han­deln­den Rats­mit­glied bewusst „Cha­os“ zu wol­len. Ableh­nen das kann man als Ein­zel­ner oder klei­ne­re Frak­ti­on mal machen, um einen Warn­schuss abzu­ge­ben — aber nur, wenn ich weiß: Die Mehr­heit für den Haus­halt steht!

Ansons­ten bewirkt mehr­heit­li­ches Ableh­nen eines Haushaltes:

„Vor­läu­fi­ge Haus­halts­füh­rung“, die Stadt Mari­en­müns­ter wür­de hand­lungs­un­fä­hig, Still­stand, nichts geht mehr!

„Das Dümms­te, was man machen kann,“ urteil­te neu­lich ein Exper­te. Schlim­mer noch als Haus­halts­si­che­rung! Bezo­gen auf Mari­en­müns­ter wür­de das z.B. bedeu­ten: Das geplan­te Neu­bau­ge­biet „Im Born­feld“ wäre gestor­ben. Mari­en­müns­ter sei­ner Zukunfts­fä­hig­keit beraubt!

Nein, mit der gestal­ten­den Kraft unse­rer frak­ti­ons­über­grei­fen­den Gemein­sam­keit, ergrei­fen wir die aus­ge­streck­te Hand unse­res neu­en Bür­ger­meis­ters zur zukunfts­ori­en­tier­ten Zusam­men­ar­beit, zur Fort­ent­wick­lung unse­rer schö­nen Stadt Marienmünster!

Wir wer­den auch wei­ter­hin trotz der ange­spann­ten Finanz­la­ge gemein­sam an den „rich­ti­gen Stell­schrau­ben dre­hen“, um Ein­woh­ner­an­stieg statt ‑rück­gang zu erreichen:

· durch klu­ge und rich­tungs­wei­sen­de Ent­schei­dun­gen wie:
· End­aus­bau von Wohn­ge­bie­ten
· Schaf­fung und Erschlie­ßung neu­er Bau­ge­bie­te (wie nun end­lich: “ Im Born­feld in Bre­den­born)
· in enger Zusam­men­ar­beit mit den 3 Kin­der­gär­ten und unse­rer Grund­schu­le die Bil­dungs- und Betreu­ungs­ar­beit för­dernd unter­stüt­zen
· finan­zi­el­le Unter­stüt­zung wäh­rend der Aus­bau­pha­se unse­res MVZs zwecks Sicher­stel­lung der ärzt­li­chen Ver­sor­gung in Mari­en­müns­ter und Umge­bung
· Bei­be­hal­tung der Dorf- und Spiel­platz­pau­scha­le zur Sicher­stel­lung einer hohen Lebens­qua­li­tät in Mari­en­müns­ter
· För­de­rung einer offen­si­ven Öffent­lich­keits­ar­beit und des ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments nach dem Mot­to: Mari­en­müns­ter — klein aber oho!

Wir dan­ken unse­rem neu­en Käm­me­rer und Bür­ger­meis­ter und allen Betei­lig­ten im Rat­haus für die Erstel­lung des Haus­hal­tes, dem die WGB-Frak­ti­on in allen Tei­len zustimmt.

 

Elmar Stri­cker

-WGB Frak­ti­ons­spre­cher-

 

Mari­en­müns­ter, 11. März 2026